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Kunsthaus

HEINO JAEGER

Retroperspektive oder wie man das nennt

05.03. bis 06.06.2022

  
Ein Mensch hat keinen Schnabel, Köpfe wachsen nicht aus Regenrinnen und selbstverständlich wusste Heino Jaeger auch, dass es nicht „Retroperspektive“ heißt. Sein Werk strotzt vor Ironie und Skurrilität, die bei ihm zumeist in Darstellungen des Alltäglichen zu finden sind. Doch der vermeintliche Humor ist nur eine Lage seines vielschichtigen Werkes, denn Jaegers Kunst erzählt gleichsam von Vereinsamung, Trostlosigkeit und menschlichen Abgründen.

Die Bombardements der Kriegsjahre in Hamburg und Dresden prägen den Lebensbeginn des 1938 in Harburg geborenen Künstlers. Wenige Jahre nach Ende des NS-Regimes nimmt sich der Vater, der als Fotograf ein eigenes Studio in Harburg betreibt, das Leben. Die Mutter arbeitet als Schneiderin und zieht mit bescheidenen Einkünften drei Kinder groß. Jaeger beginnt eine Ausbildung als Stoffmusterzeichner an der Hamburger Landeskunstschule, wo seine Begabung erkannt wird und er nach Abschluss der Lehre ein Kunststudium in der Klasse von Alfred Mahlau aufnehmen kann. Anschließend wird er als wissenschaftlicher und museumspädagogischer Zeichner an verschiedenen norddeutschen Museen tätig. Zwei Jahre lang konzipiert und erstellt er gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Harold Müller das „Panorama der Jahrtausende“, ein raumfüllendes Diorama im damaligen Helms-Museum.

Parallel zum bildnerischen Schaffen entwickelt Jaeger sein sprachkünstlerisches Werk. Mit Bühnenauftritten, Radiobeiträgen sowie einer ersten LP gewinnt er in den 1970er-Jahren an Popularität. Im Anschluss an seine kontrovers diskutierte Präsentation „Ein Maler des Deutschen Reiches stellt in der ehemaligen Reichshauptstadt aus!“, 1972 in Berlin, wird ein Dokumentarfilm über Jaeger gedreht. Auf Ausstellungen folgen Bühnenshows und ein Fernsehauftritt. 1975 unternimmt Jaeger den einjährigen Versuch einer Auswanderung nach Thailand. Zurück in Hamburg werden weitere Schallplatten und die Sendereihe „Dr. Jaeger antwortet“ im Süddeutschen Rundfunk produziert. Parallel dazu treibt Jaeger sein bildnerisches Werk voran, es bleibt der Grundpfeiler seines Schaffens.
Bereits in früher Jugend porträtiert und karikiert Jaeger sein Umfeld oder bringt fantasievolle Szenen aufs Papier. Bis in seine letzten Lebensjahre entstehen Gemälde und Grafiken. Trotz eines selbstverursachten Wohnungsbrandes, bei dem viele Arbeiten vernichtet wurden, sind über 2.000 Werke in zum größten Teil privaten Sammlungen erhalten geblieben.

In realistischem Zeichen- und Malstil führt Jaeger seine Beobachtungen aus. Alte Gebäude, Straßenszenen und Landschaften gibt er nach der Erinnerung, nach Postkarten und Büchern mit Stift oder Pinsel wieder. Viele Schilderungen werden von Jaeger stark inszeniert, um auch die Vergangenheit darin einzubetten: brennende Züge, zerstörte Häuser, Deformationen an Leib und Seele. In den oft überspitzten Darstellungen mit teils mutierten oder technisierten Figuren gibt Jaeger eine von ihm wahrgenommene Wirklichkeit wieder. Er macht seine Visionen eines beschädigten, menschenbesetzten und gleichsam entmenschlichten Miteinanders sichtbar. Die rätselhaft grotesken Veränderungen erinnern an das von Jaeger verehrte Werk Hieronymus Boschs, dessen satirische Sittenmalerei von Fantastik strotzt. Friedvoll hingegen erscheinen seine Landschaften und Gebäude, selbst wenn es darin brennt oder nur Ruinen zu sehen sind.

Ausstellung
Die Ausstellung im Kunsthaus Stade widmet Heino Jaeger eine umfassende Retrospektive und präsentiert über 300 Grafiken und Gemälde, die in mehr als 40 Jahren Schaffenszeit entstanden sind. Auf drei Etagen wird seine bildende Kunst vorgestellt, durch Einblicke ins Familienalbum und ausgestellte Dokumente kann die Person entdeckt werden.

HEINO-JAEGER-SPEZIAL-TICKET
Aufgrund der zahlreichen ausgestellten Werke ist das Ticket an drei aufeinanderfolgenden Tagen gültig!

Katalog
Mit mehr als 500 Abbildungen und zahlreichen Aufsätzen bietet der Katalog zur Schau vertiefende Einblicke und eine faszinierende Übersicht über Heino Jaegers bildnerisches Werk. Mit Beiträgen von Mario Fuhse, Christian Meurer, Sebastian Möllers, Thomas Roeske, Jürgen Roth, Veronika Schöne und Regina Wetjen. Der Katalog ist im Verlag Kettler erschienen und ist in unserem Museumsshop erhältlich ( 37,50 € plus 6 € Porto und Verpackung), unter info[at]museen-stade[dot]de oder im Buchhandel.

Begleitprogramm
Die Ausstellung wird von Führungen und einem facettenreichen Programm begleitet.  


Ausstellung und Katalog werden gefördert durch:

INFO

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