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Kunsthaus

Berliner Secession und Russisches Ballett: Ernst Oppler

3. März bis 1. Mai 2018

Die Grafiken und Gemälde Ernst Opplers (1867–1929) sind eine wichtige Entdeckung in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Neben Porträts und Interieurs bildete der Impressionist das gesellschaftliche Leben seiner Zeit ab und war als Künstler und Kunstsammler eng mit diesen Kreisen verwoben. Über die Freiluftmalerei hin zu Sportszenen oder Beobachtungen des Kriegsalltags findet sich eine große motivische Vielfalt in Opplers Arbeiten wieder. Erstmals in Norddeutschland präsentiert das Kunsthaus Stade eine umfassende Ausstellung seiner Zeichnungen und Gemälde zum Thema Tanz.

Nachdem am 5. Mai 1909 in Berlin eine exklusive Aufführung des Russischen Balletts vor den Mitgliedern der Berliner Secession gegeben worden war, entbrannte international eine große Begeisterung für das Ensemble und seine Aufführungen, die mehrere Jahrzehnte andauern sollte. Durch diese eine Vorstellung mit seiner Startänzerin Anna Pawlowa wurde auch Ernst Oppler zum überzeugten Ballettliebhaber und -maler. Er stellte die Tänzerinnen und Tänzer nicht wie andere Maler pausierend („au repos“) oder im Atelier posierend dar, sondern bei Proben und Aufführungen auf der Bühne, also während des Tanzens. Hierfür erfand er eigens einen beleuchteten Stift, der ihm das Arbeiten im dunklen Zuschauerraum ermöglichte. Besonders diese Skizzen zeigen Ballett und Tanz in der Authentizität der Bewegung. Die Begeisterung, die aus seiner Arbeit spricht, brachte ihm den Spitznamen „der Tanzmaler“.

Ernst Opplers besonderes Augenmerk auf Anna Pawlowa (1881–1931) ist in seinem Werk nicht zu übersehen: Keine andere Tänzerin hat ihn mehr zu Studien, Radierungen und Gemälden angeregt. Seit ihrem Berliner Auftritt 1909 hat er sie immer wieder tanzend skizziert und unzählige Porträts von ihr geschaffen. Oft wurden Radierungen daraus oder Gemälde, von denen wiederum manche Postkarte verlegt wurde. Insbesondere ihr berühmtester Solotanz, der Sterbende Schwan, ist in einer Vielzahl von Werken verewigt. Anna Pawlowa war wohl auch die einzige, die ihm in seinem Berliner Atelier vorgetanzt und Modell gestanden hat: wie er später in einem Zeitungsartikel berichtet, hatte sie an einer seiner Zeichnungen einiges Tanztechnische auszusetzen gehabt und wollte ihm die Gelegenheit zur Verbesserung geben. Ein wohl anschließend geschossenes Pressefoto zeigt Oppler mit ihr in seiner Atelierwohnung beim Tee vor seinen Gemälden.
Unter den männlichen Tänzern der Ballets Russes faszinierten Ernst Oppler vor allem Adolph Bolm und Waslaw Nijinsky. Nijinskys Sprungkraft und Technik machten ihn zum unbestrittenen männlichen Star der Kompanie. Ernst Oppler skizzierte, zeichnete und radierte ihn immer wieder.

Als treibende Kraft gehörte Oppler neben Lovis Corinth und Fritz von Uhde zu den Gründungsmitgliedern der Freien Vereinigung der XXIV und der Münchener Secession, bei denen sich Künstler und Künstlerinnen gegen veraltete, konservative Kunstauffassungen wie die Historienmalerei richteten. Auch in Berlin war Oppler 1898 mit Max Liebermann unter den ersten Mitgliedern der Berliner Secession. Sie setzte sich erfolgreich für die modernen Kunstströmungen wie den französischen Impressionismus ein und hatte bedeutenden Anteil daran, dass Berlin als Kunstmetropole München den Rang ablief. Oppler beteiligte sich an den Ausstellungen der Secession und gehörte viele Jahre ihrem Vorstand an.

Nach 1914 nahmen Opplers Besuche des Balletts stark ab, doch schätzte und nutzte er bis zu seinem Lebensende seine Tanzskizzen und ließ sich davon für zahlreiche Grafikzyklen und Gemälde inspirieren.

Ausstellung und Katalog

Mehr als 160 Werke Opplers sind im Kunsthaus Stade ausgestellt, darunter Zeichnungen, Druckgrafik und Gemälde. Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog mit Aufsätzen von Frank-Manuel Peter im Wienand Verlag erschienen, mit 176 Seiten und mehr als 200 farbigen Abbildungen. Im Shop des Kunsthauses Stade kostet der Katalog 29,90 €.

Eine Ausstellung des Deutschen Tanzarchivs Köln / SK Stiftung Kultur im Kunsthaus Stade.

INFO

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