ABENDVORTRÄGE IM MUSEUM SCHWEDENSPEICHER (Eintritt frei)

Eine Veranstaltungsreihe des Stader Geschichts- und Heimatvereins in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesarchiv, den Museen Stade und der Hansestadt Stade.

 

Dienstag, 20. Oktober 2015, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
PD DR. HARTMUT KÜHNE, Berlin


Wallfahrt und religiöses Leben des Spätmittelalters im Spiegel der Stader Hafenfunde

Die in den letzten Jahren aus dem Schlamm des Stader Hafens geborgenen Pilgerzeichen stellen den größten derartigen Fundkomplex dar, der bisher in Deutschland geborgen wurde. Solche Pilgerzeichen, d.h. kleinformatige Zinn-Blei-Güsse, die mit Ösen versehen an Kleidung oder Hut genäht wurden, dienten als Zeichen des Pilgerstandes und blieben in der Heimat als Segensträger und Erinnerungsstücke erhalten. Seit dem 14. Jahrhundert nahm die Zahl jener Kirchen stark zu, die solche Zeichen herstellten und verkauften. Pilgerzeichenfunde geben daher oft deutlicher als schriftliche Quellen über den Besuch bestimmter Wallfahrtsorte Auskunft. Daher ist der umfangreiche Stader Fundkomplex ein besonderer Glücksfall. Der Vortrag wird einen ersten Versuch machen, die von Stade aus besuchten Pilgerziele und Gnadenorte auf Grundlage der Hafenfunde zu identifizieren.

Dienstag, 10. November 2015, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
DR. GERD VAN DEN HEUVEL, Hannover


Der Kampf gegen das "gefährliche Untier". Wolfsjagden in Niedersachsen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert

Die Wölfe sind zurück – und mit ihnen auch die menschlichen Verhaltensweisen gegenüber einem „Untier“, das man seit Jahrhunderten mit allen Mitteln bekämpft hatte und das seit mehr als 100 Jahren in Mitteleuropa als ausgerottet galt. Der Vortrag beleuchtet anhand geschichtlicher Quellen aus Niedersachsen das schwierige Verhältnis von Mensch und Wolf in den letzten 450 Jahren, wie es besonders in der staatlich organisierten Jagd auf den ungeliebten Nahrungskonkurrenten zum Ausdruck kam. Historisches Bildmaterial ergänzt und veranschaulicht die schriftliche Überlieferung.

Dienstag, 19. Januar 2016, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
DR. JENS-CHRISTIAN WAGNER, Celle


Von Auschwitz nach Niedersachsen. Der historische Ort der NS-Verbrechen und seine Repräsentation in der Gedenkstättenarbeit


Die meisten NS-Gedenkstätten entstanden auf Initiative ehemaliger Häftlinge, ihrer Angehöriger oder aufgrund bürgerschaftlichen Engagements. Ziel war und ist es, die Opfer, denen gesellschaftliche Anerkennung teils bis heute verwehrt blieb, zu würdigen. Im Mittelpunkt der Gedenkstättenarbeit stand deshalb lange der Blick auf die Opfer der Verbrechen. Demgegenüber verblassten die Täter, insbesondere solche, die nicht zu den unmittelbar gewaltsam Handelnden gehörten. Doch die NS-Verbrechen waren keine Taten Einzelner, sondern beruhten auf breiter gesellschaftlicher Partizipation und wurden häufig in aller Öffentlichkeit begangen. Dies darzustellen und nach der Motivationsstruktur von Täter- und Mittäterschaft und nach den Funktionsmechanismen einer radikal rassistischen Gesellschaft zu fragen, muss stärker in den Fokus der Bildungsarbeit in den Gedenkstätten gerückt werden. Die niedersächsischen Gedenkstätten bilden die Bandbreite der vor Ort begangenen NS-Verbrechen exemplarisch ab und bieten somit gute Voraussetzungen für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Gesellschaftsverbrechen des Nationalsozialismus. Dr. Jens-Christian Wagner ist Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und wird deren Arbeit vorstellen.

Dienstag, 16. Februar 2016, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
DR. FRED KASPAR, Münster


Die Bude – Lebensraum großer Bevölkerungskreise in der Stadt. Bauforschung und Denkmalpflege

Entgegen landläufiger Vorstellung waren keineswegs Bürger die größte Gruppe der Bewohner unserer Altstädte, sondern Menschen, die kein Bürgerrecht besaßen. Zu diesen Leuten ohne besondere Rechte zählten die zahllosen Lohnarbeiter und Tagelöhner, aber auch Verarmte und Witwen. Sie konnten sich kein eigenes Haus leisten und lebten in kleinen Mietwohnungen in bescheidenen Verhältnissen. Wenn die großen „Bürgerhäuser“ mit ihren hohen Giebeln auch bis heute die Stadtbilder prägen und unsere Vorstellung einer Altstadt bestimmen, so bildeten doch die heute weitgehend verschwundenen kleinen Mietwohnungen der größten Baubestand in den Städten. Es waren die sogenannten Buden, die oft in langen Reihen an Hintergassen oder in den Randbereichen der Städte standen. Diese meist unscheinbaren, gering geschätzten und weitgehend aus dem Blick geratenen Bauten und die dortigen Lebensverhältnisse sollen im Mittelpunkt des Vortrages stehen, der auch über die Arbeit und Ziele der seit einigen Jahren bestehenden Stiftung „Kleines Bürgerhaus“ berichtet.

Dienstag, 22. März 2016, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
PROF. DR. PHILIPPE DePREUX, Hamburg


Der Wandel Sachsens vom Eroberungsgebiet zum Kerngebiet des Reiches (8.–10. Jh.)

Als Widukind von Corvey seine Sachsengeschichte für die Tochter Ottos des Großen schrieb, war es schon fast 200 Jahre her, dass Karl der Große die Eroberung des Landes jenseits von Rhein und Main in Gang gebracht hatte. Dieser (erste) dreißigjährige Krieg hat die Geschichte des fränkischen Reichs stark geprägt, denn das Land, das im 8. Jahrhundert als Eroberungs- und Missionsgebiet galt, wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Karolingerreichs und sogar zum Kerngebiet des ostfränkischen Königreichs im 10. Jahrhundert. Im Vortrag wird sowohl die Eingliederung Sachsens in das Frankenreich in sozialer und verfassungsrechtlicher Hinsicht behandelt, als auch der Perspektivwechsel von der karolingischen Geschichtsschreibung, die über die Kämpfe des Frankenkönigs mit dem Sachsenführer Widukind und dessen Unterwerfung berichtet, bis hin zu Widukind von Corvey, der die Erfolgsgeschichte des nun sachsenzentrierten Königshauses darstellt.

Dienstag, 26. April 2016, 19.30 Uhr, Museum Schwedenspeicher
PD DR. FRANK HATJE, Hamburg


„Weltanschauungen“ zwischen Aufklärung und Romantik. Der Tagebuchkosmos des Ferdinand Beneke (1774–1848) mit seinen Seitenblicken auf Stade und Buxtehude

Zeitlich reichen sie von der Französischen Revolution bis zur Revolution von 1848, kulturgeschichtlich spannen sie einen Bogen von der Aufklärung zur Romantik, inhaltlich sind sie gefüllt mit allem, was das Leben als Mensch und Bürger in dieser Zeit ausmacht – die umfangreichen Tagebücher des Hamburger Juristen Ferdinand Beneke, dessen Vorfahren aus Stade stammten und dessen Eltern einige Jahre in Buxtehude lebten. Die Tagebücher, die derzeit in einem Editionsprojekt erschlossen und veröffentlicht werden, vermitteln nicht nur ein anschauliches Bild von der Lebenswelt des deutschen Bürgertums auf dem Weg in die Moderne, sondern auch von den Welt-Anschauungen, mit denen es Orientierung auf diesem Weg suchte, und schließlich auch von den Orten, die Beneke besuchte oder an denen er sich aufhielt. Der Vortrag stellt die Beneke-Tagebücher und ihren Verfasser vor und führt in die vielfältigen Facetten seines Lebens und Denkens ein, vor allem aber lässt er Beneke selbst zu Wort kommen mit dessen politischen Maximen und Reflexionen zur Religion, in Alltagsbetrachtungen wie in romantischen Reisebildern, schließlich auch mit seinen Beobachtungen zu Buxtehude und Stade.

Schwedenspeicher

Wasser West 39
D-21682 Stade
T +49 (0) 4141 79 773 0
F +49 (0) 4141 79 773 99
info(at)museen-stade.de
www.museen-stade.de

Öffnungzeiten
Di bis Fr 10–17 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr

Öffentliche Führungen

Sonntag 16 Uhr: Ausstellungsrundgang
8,00 EUR inkl. Eintritt

Eintrittspreise

Museen Stade Ticket - ein Preis, drei Museen
Tages-Ticket 6€ | Sozialtarif 3€
3 Tages-Ticket 10€ | Sozialtarif 5€
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

   © 2014 Museen Stade