500 JAHRE REFORMATION IM ELBE-WESER-DREIECK

Betende Maria, 15. Jh., Heeslingen © 2017 Museen Stade
Heilige Katharina, 14. Jh., Oldendorf © 2017 Museen Stade
Abendmahlskelch, 14. Jh., Kloster Neuenwalde © 2017 Museen Stade
Bugenhagen-Bibel, 1533/34, Stade © 2017 Stadtarchiv Stade

20. MAI BIS 15. OKTOBER 2017

Im Mittelalter prägt die Kirche das Leben der Menschen. Sie lenkt die irdischen Wege, indem sie mit ihren Grundsätzen die gesellschaftlichen Ordnungen formt: Ehe und Familie, Stand und Beruf, Staat und Wirtschaft. Sie überwacht und beurteilt, verwaltet die ewige Wahrheit, vermittelt das Heil der Menschen. Die Ängste vor dem Tod, vor dem Fegefeuer und dem jüngsten Gericht bestimmen ihr Leben.Im 16. Jahrhundert gehört das Elbe-Weser-Dreieck zum Niedersächsischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und unterliegt der Hoheit der Erzbischöfe von Bremen und Verden, die immer häufiger mit den zunehmend selbstbewussten Ständen, den Städten, der Ritterschaft, den Prälaten und dem Domkapitel, in Konflikt geraten.In Bremen setzt sich die Reformation bereits in den frühen 1520er-Jahren durch, ausgehend vom niederländischen Prediger Heinrich von Züpthen, der seit 1508 in Wittenberg studiert hatte und mit Martin Luther befreundet war. Er wird vom Rat unterstützt, was sich der damalige Erzbischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel, auch „der Verschwender“ genannt, nicht gefallen läßt. Er sorgt 1524 für eine brutale Hinrichtung von Züpthens in Holstein um ein Exempel zu statuieren. Von seinem Sitz in Bremervörde aus führt er Krieg mit dem Land Wursten und Hadeln, hält Hof und ist für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt. Er ist geradezu ein ideales Abbild des kritischen Anstoßes, den die Reformatoren am Lebensstil der geistlichen Obrigkeit nehmen. In Bremen sollen katholische Vikare zu Beginn des 16. Jahrhunderts sogar ihre Konkubinen in der eigenen Kirchentracht Messen haben lesen lassen. Dass sich die Gegner dieses Verfalls der Sitten einer zunehmenden Mehrheit erfreuen, verwundert kaum. Als zweitgrößte Stadt der Region setzt sich die Reformation auch in Stade sehr schnell durch. Schon zu Beginn der 1530er-Jahre sind fast alle Stadtkirchen mit protestantischen Geistlichen besetzt. Da die Erzbischöfe erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts langsam zum Protestantismus umschwenken – und dies unter starkem Protest des Papstes – vollzieht sich die Reformation im Elbe-Weser-Dreieck nicht als Bildersturm. Es ist ein eher schleichender Wandel. Die Kirchen werden erst nach und nach in ihrer Gestaltung „umgerüstet“, abhängig von lokalen Erfordernissen, wirtschaftlichen und repräsentativen Hintergründen.

Ausstellung

Die Ausstellung begibt sich auf die Suche nach den Sachzeugen der Reformation in unserer Region. Neben einem Wandel in den Sakralausstattungen der Kirchen gibt es eine Vielzahl neuer Schriften, wie Bibeln, Gesang- und Gebetsbücher. Neue Orgeln haben Teil an der Verkündigung. Die Reformen Martin Luthers führten zu zahlreichen Veränderungen, die sich in den verschiedensten Objekten widerspiegeln. Gleichzeitig wird die Frage gestellt, was wir über die Durchsetzung des neuen Glaubens wissen, wie vollzog sich der Wandel? Wie müssen wir uns das Nebeneinander, das Miteinander und auch das Gegeneinander in diesem Prozess vorstellen? Vieles deutet auf einen Wandel im Stader Raum hin, der von gegenseitiger Toleranz geprägt war. Welche Indizien gibt es für Glaubensfreiheit und Ökumene? Eine spannende Spurensuche, die viele Aspekte der Lebenswelt des 16. und 17. Jahrhunderts berührt.

Publikation

Als begleitende Publikation zur Ausstellung erscheint neben einer kleinen Broschüre im September 2017 der Tagungsband „Die Reformation im Elbe-Weser-Raum“ des Landschaftsverbands Stade.


Rahmenprogramm

Flankiert wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und weiteren Veranstaltungen. Im Lutherjahr 2017 werden alle Aktivitäten rund um 500 Jahre Reformation in Stade und Umgebung gebündelt und vernetzt. Ein gemeinsamer Flyer sowie die Website www.reformation-niedersachsen.de informieren über die vielfältigen Aktionen.

Förderer

Schwedenspeicher » 500 JAHRE REFORMATION

Schwedenspeicher

Wasser West 39
D-21682 Stade
T +49 (0) 4141 79 773 0
F +49 (0) 4141 79 773 99
info(at)museen-stade.de
www.museen-stade.de

Öffnungzeiten
Di bis Fr 10–17 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr

Vorerst müssen die öffentlichen Führungen durch die Dauerausstellungen leider ausfallen (bisher immer sonntags 16 Uhr)

Eintrittspreise

Museen Stade Ticket - ein Preis, drei Museen
Tages-Ticket 8€ | Sozialtarif 4€
3 Tages-Ticket 12€ | Sozialtarif 6€
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

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