Das unbekannte Kapitel. Wolfgang Herrndorfs Bilder


24. Juni bis 3. Oktober 2017

Wolfgang Herrndorf, ohne Titel © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Wolfgang Herrndorf, ohne Titel © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Mit dem Roman Tschick wurde Wolfgang Herrndorf (1965 bis 2013) berühmt, für seine Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Dass er jedoch vor seiner Schriftstellerkarriere ein Kunststudium abgeschlossen hatte und als Maler und Zeichner für verschiedene Verlage und Magazine arbeitete, wissen nur wenige. Als „Geheim- und Allzweckwaffe“ der Titanic (Oliver Maria Schmitt), als Illustrator zahlreicher Bücher und als Zeichner für den Tagesspiegel sowie den Eulenspiegel arbeitete Herrndorf von 1994 bis in die frühen 2000er-Jahre als gefragter Künstler und Karikaturist. 

Als Wolfgang Herrndorf 1986 von Norderstedt nach Nürnberg zog, um an der dortigen Akademie der Bildenden Künste zu studieren, hatte er bereits viel gezeichnet: Porträts der Familienmitglieder, Selbstbildnisse, Studien von Stoffen und Räumen, verschiedene Landschaften. Seine Bildwelt war lebensnah und detailgenau, sein Arbeiten äußerst akribisch. Vor allem auf die perspektivisch korrekte Wiedergabe legte er von Beginn an großen Wert. Die Kunst der Renaissance war ein frühes Vorbild, Herrndorfs Begeisterung für das Werk Albrecht Dürers ist den Schüler- und Studentenarbeiten deutlich abzulesen. 

Nach dem Studium bewarb er sich 1994 bei der Titanic als Zeichner. Waren seine Arbeiten bislang von stilistischer Homogenität, so entwickelte Herrndorf mit seinen Auftragswerken ein Potpourri an Darstellungsweisen. Im Haffmans Verlag erschien 1997 ein Kalender mit zwölf Blättern Herrndorfs, auf denen er Klassiker der Kunstgeschichte kopierte und Helmut Kohl darin in Szene setzte. Der Kalender wurde ein Bestseller und Herrndorf durch die gute Presse einem größeren Publikum als Maler bekannt. Verleger und Redakteure traten in den kommenden Jahren auf Herrndorf zu, um ihn für Buchillustrationen, Titelbilder oder Karikaturen zu engagieren. Die bestechend präzise Wiedergabe von Szenen, Personen und Stimmungen wurde bewundert. Herrndorfs zumeist kleinformatige Blätter sind von überwältigendem Detailreichtum. Viele dieser Arbeiten enthalten Text, in aufwendig gestalteter, von Hand gemalter Serienschrift. Herrndorf investierte in jede noch so kleine Arbeit große Sorgfalt.

Als Karikaturist trifft Herrndorfs Spottlust die Themenfelder Politik, Sport und Religion – in Scherzblättern, Comics oder in der fein ausgearbeiteten Kulisse bedeutender Werke der Kunstgeschichte. In den Witzen darin spöttelt er über den menschlichen Kleingeist, hält der Gesellschaft den Spiegel vor. 

Es ist Herrndorfs unbestechlicher Blick gewesen, der die Schönheit der Natur, aber auch die Skurrilität des Lebens und die bizarren Facetten der menschlichen Gesellschaft aufdeckte. Er war auch als bildender Künstler ein Beobachter, Gestalter und Erzähler.

Die Ausstellung im Kunsthaus Stade basiert auf dem Nachlass Herrndorfs, der aus mehr als 600 Zeichnungen und Malereien besteht. Über 140 Arbeiten sind in der Schau zusammengetragen, darunter auch Leihgaben aus privaten Sammlungen, um den Bestsellerautor als bildenden Künstler zu präsentieren. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog mit Texten von Frank Schulz und Regina Wetjen sowie Interviews mit Norbert Thomma und Gerd Haffmans. 

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Öffnungszeiten
Di, Do, und Fr 10–17 Uhr | Mi 10–19 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr
Bei Ausstellungswechsel ist das Kunsthaus geschlossen! 

Öffentliche Führungen

Mittwoch 17.30 Uhr: After-Work-Führung
Sonntag 15 Uhr: Ausstellungsrundgang
10 € inkl. Eintritt

Eintrittspreise

Museen Stade Ticket - ein Preis, drei Museen
Tages-Ticket 8 € | Sozialtarif 4 €
3 Tages-Ticket 12 € | Sozialtarif 6 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

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