FILMREIHE IN DER SEMINARTURNHALLE

Mittwoch, 27. Januar 2016 | 19.30 Uhr

„NORDSEE IST MORDSEE“

Buch und Regie: Hark Bohm
Darsteller: Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow
Kamera: Wolfgang Treu
Musik: Udo Lindenberg
Produktion: Hark Bohm, Hamburger Kino-Kompanie Hark Bohm Filmproduktions KG  
Premiere: 1976 | Länge: 82 Minuten | Farbe

Hamburg-Wilhelmsburg  - ein Stadtteil auf mehreren Elbinseln gelegen, zwischen Norder- und Süderelbe.
Großflächig bestimmen Hafenbecken und Industriebetriebe das Bild. Gebündelt laufen mehrere Eisenbahnstrecken über die Insel. Arbeitersiedlungen sind in den 1920er Jahren entstanden. Die Sturmflut von 1962 hat große Zerstörungen angerichtet. Neu gebaut wurde eine mehrstöckige Großsiedlung mit Sozialwohnungen.
Viele deutsche Bewohner sind fortgezogen. Eingezogen sind Gastarbeiter und Migranten mit ihren Familien.

In diesem Umfeld siedelt der Hamburger Regisseur Hark Bohm im Sommer 1975 seine Geschichte an.

Uwe ist Anführer einer Gang, die sich die Zeit vertreibt mit Automatenknacken, „Kanaker“ ärgern und mit anderen „Spielchen“. Ein Zuhause kennen sie nicht. Uwes Vater, ein Barkassenführer im Hamburger Hafen, säuft und verprügelt Sohn und Ehefrau.

Dschingis, ein asiatisch aussehender Junge, wohnt allein mit seiner Mutter in den Hochhäusern. Er wird gut behütet von einer Mutter, die Angst hat, als Fremde unangenehm aufzufallen. Sie arbeitet in einer Fabrik.
Dschingis treibt Karate und lernt aus Büchern, wie Segelboote funktionieren. Auf einem Gelände in der Nähe des Veringkanals baut er sich ein Floß mit buntem Rahsegel und lässt es auf einem selbstgefertigten Slip zu Wasser.

Uwe beobachtet ihn dabei. - Mit seiner Gang zerstört er das Floß. - Dschingis tritt zum Kampf an. Wie im klassischen Western kommt es zum Show-down. Die beiden Helden stehen sich direkt gegenüber, Uwe mit Messer bewaffnet, Dschingis mit bloßen Händen. Dschingis gewinnt und zwingt Uwe dazu, gemeinsam mit ihm das Floß wieder herzurichten. – Eine Freundschaft beginnt.

Gemeinsam fliehen sie mit dem Floß und mit geklauten Segelbooten durch den Hamburger Hafen, die Elbe runter, Richtung Nordsee – in der Hoffnung auf so´n richtig verschärftes Leben – irgendwo…

Kameramann Wolfgang Treu gelingt es, Kampf und Sehnsucht der Jugendlichen in ausdrucksstarken Bildern sichtbar zu machen.

Die Musik zu dem Film ist von Udo Lindenberg. Kommentar der Münchner „Abendzeitung“: Dieses sensible Sich-Einstellen auf die Gefühlswelt von Halbwüchsigen ergänzt Bohm tongenau durch die Musik von Udo Lindenberg. Da steckt das unterkühlt Vertrotzte, Verletzbare und auch Rotzfreche im Text, das sich deckt mit den Spielregeln der Straße.

Für den Regisseur Hark Bohm ist der Film „Nordsee ist Mordsee“ auch im Nachhinein immer noch ein sehr genauer und wahrhaftiger Film. Ich glaube, es gibt wenige Filme, die die Pubertät und die Befindlichkeit junger Menschen in Brennpunktvierteln und in der Auseinandersetzung mit Ausländern genauer und liebevoller erzählen…

Und aus Uwe wurde im richtigen Leben der Film- und Bühnenstar Uwe Bohm.

Text: Ingrid Fischer, 12.12.2015

Dienstag, 9. Februar 2016 | 19.30 Uhr

„DAS MESSER IM WASSER“

Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Jerzy Skolimowski, Roman Polanski, Jakub Goldberg
Darsteller:  Leon Niemczyk, Jolanta Umecka, Zygmunt Malanowicz
Kamera: Jerzy Skolimowski
Produzent: Stanislaw Zylewicz
Premiere: 1962 | Länge: 89 Minuten | Schwarz-Weiß

Roman Polanski liebt die Masurischen Seen. Oft ist er hier gesegelt.

Hier dreht er 1961 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm „Das Messer im Wasser“ , eine Dreiecksgeschichte auf einer Yacht – unberechenbar wie ein „Segeltörn“.
Zwischen den beiden Männern – ein Sportjournalist und ein Student – herrscht permanente Kampfstimmung. Die Frau – eine Akademikerin und Ehefrau des Journalisten – durchschaut die beiden Männer. Sie gleicht aus – bis es zu einem Tabubruch kommt.

Coole Filmmusik und die beeindruckenden Schwarz-Weißaufnahmen des Kameramanns Jerzy Skolimowski tragen dazu bei, dass der Film im westlichen Ausland ein Erfolg wird. „Das Messer im Wasser“ gewinnt 1962 in Venedig den bedeutenden Preis der internationalen Filmkritiker (FIPRESCI-Preis) und er wird für den Oscar nominiert.

Im kommunistischen Polen herrscht Verwirrung über den „kosmopolitischen“ Stil des Films.

Andrzej Wajda: Wir Regisseure, die damals Kriegsfilme drehten, weil der Krieg uns noch belastete, verstanden das nicht. Als ich „Das Messer im Wasser“ sah, fragte ich mich: „Was für ein Held ist das? Was will der? Was hat das zu bedeuten? Wer sind diese Leute, die auf dieser Yacht herumsegeln?“
Es waren die Protagonisten einer neuen Zeit.

Leon Niemczyk: Der Film war ein Art Prophezeihung, die den Menschen vor Augen führt, was Konsum, was Sehnsucht bedeutet.

Text: Ingrid Fischer, 12.12.2015

Mittwoch, 24. Februar 2016 | 19.30 Uhr

„NUR DIE SONNE WAR ZEUGE“

Regie: René Clément
Drehbuch: René Clément und Paul Géauff nach dem Roman „The Talented Mr. Ripley” von Patricia Highsmith
Darsteller: Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet
Kamera: Henri Decae
Musik: Nino Rota
Produktion: Raymond und Robert Hakim
Premiere: 1960 | Länge: 112 Min. | Farbe

„The Talented Mr. Ripley“, ein Thriller der berühmten amerikanischen Schriftstellerin Patricia Highsmith, dient dem französischen Regisseur René Clément als Vorlage für großes Kino.

Die Hauptrolle besetzt er mit einem aufregenden, jungen Franzosen, der in Paris mit seiner Schönheit und mit seinem Charme Künstler, Gönner, Dichter und eine nicht überschaubare Anzahl schöner Frauen in seinen Bann zieht. („Stern“ 3/1965): Alain Delon, Sohn eines Kinobesitzers aus der französischen Kleinstadt Sceaux. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur René Clément entfaltet sich seine große schauspielerische Begabung. Und die Kamera liebt ihn.
Mit der Rolle des Tom Ripley wird Alain Delon Filmstar mit internationalem Renommee.

Tom Ripley ist Amerikaner und lebt in New York. Er schlägt sich allein durch mit Aushilfstätigkeiten, Diebstählen und Urkundenfälschungen. Der Zufall will es, dass ihn der reiche Werftbesitzer Herbert Greenleaf für einen guten Freund seines Sohnes Dick hält und ihn deshalb bittet, seinen Sohn aus Europa nach Hause zurückzuholen.
Dick Greenleaf führt an den Gestaden des Thyrrhenischen Meeres ein interessantes Leben mit vielen Freunden, großzügigem Haus und Segelyacht. Mit dem Geld des Vaters kann er sich das leisten.
Eine schöne Frau hat er bei sich einquartiert: Marge. Sie schreibt an einem Buch über Fra Angelico, den großen Maler der italienischen Frührenaissance.

Der Film beginnt, wenn Dick Greenleaf Tom bereits als weiteren Spaßmacher für sein Leben entdeckt hat. Marge ist eifersüchtig auf den neuen Kumpel, mit dem Dick so gern so viel Zeit verbringt.
Auf einer Segelpartie zu dritt muss Tom entdecken, dass er in Zukunft nicht mehr teilhaben darf am schönen Leben – und er schmiedet einen Plan mit tödlichem Ausgang.

Alain Delon, der in jenen Jahren immer seekrank geworden ist, muss auch physisch Großartiges leisten und viel Angst überwinden.

Kameramann Henri Decae ist durch seine Arbeit als Fotoreporter in der französischen Armee während des Zweiten Weltkriegs gut auf schwierige Einsätze vorbereitet.

Text: Ingrid Fischer, Stade, 12.12.2015 

Schwedenspeicher

Wasser West 39
D-21682 Stade
T +49 (0) 4141 79 773 0
F +49 (0) 4141 79 773 99
info(at)museen-stade.de
www.museen-stade.de

Öffnungzeiten
Di bis Fr 10–17 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr

Sonderöffnung am 3. Oktober von 10 - 18 Uhr

Öffentliche Führungen

Sonntag 16 Uhr: Ausstellungsrundgang
10€ inkl. Eintritt

Eintrittspreise

Museen Stade Ticket - ein Preis, drei Museen
Tages-Ticket 8€ | Sozialtarif 4€
3 Tages-Ticket 12€ | Sozialtarif 6€
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

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